23. Oktober 2014 Subaru

Von Salerno nach Syrakus

Die Fahrt von Salerno nach Sizilien ist einfach. Wie fast immer auf den süditalienischen Autobahnen geht es zügig und staufrei zu. Da bleibt trotz der langen Strecke Zeit für einen kurzen Abstecher in den wirklich atemberaubenden Nationalpark Cilento. Falls Sie mal in die Gegend kommen: Fahren Sie einfach von der Autobahn ab und besuchen Sie das kleine Bergdorf Valle dell’Angelo am Fuß des Monte Cervati. Dort gibt es in einer kleinen Osteria hausgemachte Pasta, die auch eine viel längere Anreise Wert wäre. Von dort aus ist es dann auch wieder nur ein Katzensprung ans Meer. An der tollen Küste der Region mit ihren malerischen Fischerdörfern kann man eine schöne Zeit verbringen.


Weit weniger attraktiv als der Cilento ist die Stadt Cosenza, welche wir gerade auf der Autostrada passieren. Reisende, die es versehentlich dorthin verschlägt, finden eine richtig hässliche Stadt, deren Straßen vor allem am Abend an die Bronx in den siebziger Jahren erinnern. Nur die brennenden Mülltonnen fehlen. Aber die hatten wir ja schon in Neapel.

Das wichtigste Ereignis der Stadtgeschichte war der Tod des Gotenkönigs Alarich im Jahr 410. Cosenza konnte daraus allerdings keinen Profit ziehen, weil der berühmte Tote von seinen Goten im Fluss Busento begraben wurde. Das Grab wurde nie gefunden. Weshalb, können Sie hier nachlesen: http://de.wikisource.org/wiki/Das_Grab_im_Busento


Wir sind inzwischen in Villa San Giovanni angekommen, dem Hafen auf dem italienischen Festland, von dem aus es nach Sizilien geht. Die Brücke über die Straße von Messina ist ein eindrucksvolles Bauwerk. Sie spannt sich über 3.666 Meter frei, also als reine Hängebrücke, über die Meerenge, die das italienische Festland von Sizilien trennt.

In einem Youtube-Clip können Sie nicht nur das majestätische Bauwerk sehen, sondern auch eine genaue Beschreibung der von italienischen Ingenieuren erdachten, revolutionären Brückenbautechnik:

Leider gibt es die Brücke nicht in der Realität und es wird sie auch in absehbarer Zukunft nicht geben. Die italienische Regierung stoppte das Projekt kurz vor dem Beginn der Bauphase vor etwa anderthalb Jahren, um die Sparauflagen der EU-Kommission zu erfüllen. Die für das Projekt veranschlagten 8,5 Milliarden Euro wurden gebraucht, um Löcher im Staatshaushalt zu stopfen.

Wir müssen deshalb mit der Fähre nach Sizilien übersetzen. Das ist nicht so schlimm, weil der Fährbetrieb hier sehr professionell und zügig vonstatten geht. Auch in Stoßzeiten kommt man ruckzuck auf das Schiff und der Espresso an der Cafébar ist landestypisch gut.


Auf Sizilien angekommen, nehmen wir uns noch die Zeit für eine Rundfahrt durch Messina und einen Abstecher in die malerischen Bergdörfer südwestlich davon. Taormina mit seinem griechischen Amphitheater ist für unser Gespann leider nicht besonders praktisch, dafür sind die Weinanbaugebiete rund um den Ätna gut zu erreichen. Der Vulkan selbst, auf dem man mit mehreren Sesselliften bis zum aktiven Krater gelangen kann, bietet einen großen Parkplatz.

Achtung: Sollten Sie mal dort hinkommen, unbedingt von den Honigspezialitäten probieren, die dort verkauft werden. Lecker!

Catania liegt auf dem Weg, aber auch dieses wird von uns umfahren. Zweifellos gibt es reizvollere Flecken auf Sizilien als die zweitgrößte Stadt der Insel. Allerdings findet man dort wirklich wunderbare Beispiele später Barockarchitektur, weshalb Catania – wie fast alles, das älter als 100 Jahre ist – von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde.


Syrakus ist toll. Die Stadt am nördlichen Ufer einer großen Bucht, die einen natürlichen Hafen bildet. Griechen, Römer, Araber, Normannen, Deutsche, Franzosen und Spanier fanden diese Lage gleichermaßen toll, weshalb die Stadt im Laufe ihrer fast 2.500-jährigen Geschichte auch von allen diesen Völkern besiedelt oder zumindest beherrscht wurde. Bei der Eroberung von Syrakus durch die Römer im Jahr 212 vor unserer Zeitrechnung wurde hier der griechische Philosoph und Mathematiker Archimedes („Störe meine Kreise nicht“) von römischen Soldaten getötet, die eben das taten.

Die vielfältige Stadtgeschichte hat natürlich jede Menge Spuren hinterlassen: Tempel, Paläste, Kirchen, Burgen, Schlösser und alles, was sich im Laufe der Jahrtausende eben so ansammelt. Falls Sie jemals nach Syrakus kommen, sollten Sie entsprechend viel Zeit für die Besichtigung einplanen. Wir gehen jetzt schlafen, damit wir morgen früh noch die sechzig Kilometer bis nach Portopalo di Capo Passero zurücklegen können, dem südlichsten Punkt unserer Europareise.